Ein Leben mit der Katastrophe am Aralsee

  • Sonderausstellung im Naturkundlichen Museum Altenburg zum Thema Mythos Aralsee
Die neue Sonderausstellung im Naturkundlichen Museum Mauritianum in Altenburg steht unter dem Titel Mythos Aralsee Vom wilden Wasser zur Katastrophe.
Altenburg. Sie erzählt in Bildern, historischen Fotos, Porträts und Biographien von den Veränderungen der traditionellen Lebens- und Wirtschaftsweisen in der Aralsee-Region und vom schrittweisen Verschwinden des Wassers.

  • Während der Ausstellungseröffnung Mythos Aralsee Mike Jessat (l.) und Ethnologe Dr. Olaf Günther
Mike Jessat, Direktor des Museums, erinnerte in seinen einleitenden Worten an die ethnografische Sammlung des Mauritianums, die aber seit 1956 in das Museum für Natur und Völkerkunde "Julius Riemer" in Wittenberg als Dauerleihgabe abgegeben wurde. Zugleich unterstrich er, dass das Museum in Altenburg nicht nur ein rein naturkundliches ist und die Sonderausstellung zu ethnologischen Problemen in der Region um den Aralsee in das Museumskonzept passt.

Der Eröffnungsvortrag "Macht euch die Erde untertan? Wie sich der Mensch in der Katastrophe einrichtet" von Dr. Olaf Günther, Ethnologe an der Universität Leipzig, handelte von den derzeitigen Lebensbedingungen in der Aralseeregion. Der Mensch mit seinem Technik- und Fortschrittsglauben sowie Glauben an uneingeschränkte Machbarkeit und menschliche Allmacht veränderte im Zuge der sowjetischen Industrialisierung der Landwirtschaft das lebenswichtige Flusssystem mit dramatischen Folgen. Kanäle zweigen noch heute große Wassermengen aus den Zuflüssen des Aralsees für die Bewässerung von Baumwollfeldern ab. Heute existiert der Aralsee bei den Bewohnern der Region nur als Mythos. Er besitzt nur noch rund ein Zehntel seiner ehemaligen Fläche. Die meisten Menschen dort haben den See noch nie in ihrem Leben gesehen. Dabei leidet der Großteil der im Amu Darja Delta lebenden Bevölkerung jedoch nicht so sehr am Verschwinden des Aralsees und dessen negativen Auswirkungen auf das Weltklima, sondern schlicht am Ausbleiben des Flusswassers. Die mit dem Wassermangel verbundene schlechte Wasserqualität, die fehlenden Erwerbsmöglichkeiten und die durch das Austrocknen des Aralsees freigesetzten gesundheitsschädlichen Gifte, führten zur Abwanderung von 80 Prozent der Bevölkerung. Gleichzeitig versuchen sich die Verbliebenen in den veränderten Lebensbedingungen einzurichten ein Leben mit der Katastrophe.


Knut Lechner / 22.05.10 / OTZ
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